Freud und Leid liegen gern nah beieinander

Die 6. Dresdner Stummfilmtage begehen in diesem Jahr den schmalen Grat zwischen sich kontrastierenden Welten und zeigen, wie facettenreich die Themen im Stummfilm behandelt werden. In den Filmen begegnen wir Freud und Leid in der Liebe, aber auch dem grausamen Tod. Die Protagonisten sind körperlichen und seelischen Herausforderungen ausgesetzt, die ihren Ausdruck in Glück und Schmerz finden.
Mittwoch, 14. Juli | 21 Uhr
Museumshof Open Air | Schlechtwetter: Emanuel-Goldberg-Saal

Im Kampf mit dem Berge

100-jähriges Filmjubiläum

Regie: Arnold Fanck | D 1921, 74 min

Der Dokumentarfilm trägt den Untertitel In Sturm und Eis. Eine Alpensymphonie. Mindestens genauso imposant wie seine gewaltigen Bilder ist die von Paul Hindemith komponierte Filmmusik. Die dramatische Besteigung des 4500 Meter hohen Lyskamms durch die Skiläufer Hannes Schneider und Ilse Rohde wird nicht nur untermalt, sondern zu einer Ode an die landschaftliche Schönheit und den menschlichen Mut angehoben. Der Bergfilm-Pionier Arnold Fanck führte nicht nur Regie, er war ebenso Drehbuchautor, Produzent, Kameramann und Cutter.

Zum 100-jährigen Jubiläum wird es ein Spezial-Live-Soundtrack zwischen Elektronik und Akustik geben, welcher Bezug auf die Originalmusik von Hindemith nimmt.

Musik: UA Matthias Hirth (keys und electronics) | Dittmar Trebeljahr (Klarinette) | Thomas Prokein (Violine)

In Kooperation mit der:

© Ralph Turnheim
Donnerstag, 15. Juli | 21 Uhr
Museumshof Open Air | Schlechtwetter: Emanuel-Goldberg-Saal

Sherlock Holmes und die Stimme des Stummfilms

Regie: Maurice Elvey | Darsteller: Eille Norwood, Hubert Willis, Robert Vallis | GB 1921
Regie: Buster Keaton | Darsteller: Buster Keaton, Kathryn McGuire, Ward Crane | USA 1924 || 90 Min 
Der Mann mit dem schiefen Mund | 100-jähriges Filmjubiläum
Sherlock Holmes ist auf der Suche nach dem Vermissten Neville St. Clair. Zuletzt wurde er in einer Opiumhöhle gesehen und ist seitdem spurlos verschwunden. Ein Bettler mit entstellter Lippe ist der einzige Zeuge.
Sherlock Jr.

Filmvorführer Buster steigt im Traum in die Filmleinwand und löst dort als Meisterdetektiv den Fall.

Stummfilmerzähler: Ralph Turnheim

© Friedrich-Wilhelm-Murnau­-Stiftung

Freitag, 16. Juli | 21 Uhr
Versöhnungskirche Dresden-Striesen

Der müde Tod

100-jähriges Filmjubiläum

Regie: Fritz Lang | D 1921, 98 Min

Fritz Lang, Meister des expressionistischen und fantastischen Kinos, erzählt eine Geschichte von Liebe und Tod, Schicksal und Opfertum. Als eine junge Frau ihren Mann an den Tod verliert, setzt sie alles daran, ihn zurück zu bekommen. Der Tod, seiner Aufgabe müde, eröffnet ihr die Möglichkeit, wieder mit ihrem Geliebten vereint zu sein – doch der Preis ist hoch.

Durch innovative Bildsprache, beeindruckende Spezialeffekte und facettenreiche Inszenierungen wird eine unwirkliche, märchenhafte Atmosphäre geschaffen. Langs Meisterwerk verzaubert und berührt gleichermaßen.

Musik: Michael Vetter (Orgel)

© DEFA-Stiftung

Samstag, 17. Juli | 11 Uhr
ERNEMANN VII B Museumskino

Stummfilme für Kinder

Kinder ab 5 Jahre | 50 Min

Das Kinderprogramm führt kleine Cineast*Innen in die fantasievolle Welt der Animationsfilme. Es werden Filme unterschiedlicher Machart gezeigt und am Saxophon live von Tomasz Skulski vertont. Zu sehen sind u. a. Alarm im Kasperletheater und Der Wolf und die sieben Geißlein.

Musik: Tomasz Skulski (Saxophon)

© Cinémathèque Française
Samstag, 17. Juli | 21 Uhr und 22 Uhr
Museumshof Open Air | Schlechtwetter: Emanuel-Goldberg-Saal

Der Untergang des Hauses Usher

Regie: Jean Epstein | FR | 1928 | 60 min | gesamt: ca. 120 min

Ein Mann wird von seinem alten Freund Roderick Usher – der Hausherr eines verfluchten Landsitzes – um Hilfe gebeten: seine Frau Madelaine ist schwer krank und scheint immer schwächer zu werden. Ob Rodericks obsessives Malen von Portraits seiner Gattin etwas mit ihrem Zustand zu tun hat?

Jean Epstein setzt Edgar Allen Poes Kurzgeschichte in eindrucksvolle, furchteinflößende Bilder um. Mit Techniken wie Zeitlupe, Tiefenschärfe und Überblendung gelingt es dem Avantgardisten, psychologisch interessante Portraits der Hauptfiguren zu schaffen. Paranoia, Wahnsinn, Wahnvorstellungen – dieser frühe französische Horrorfilm hat viel zu bieten.

Ein filmmusikalisches Experiment!
Klassische Klavierbegleitung trifft auf elektronischen Soundtrack.

Zwei verschiedene Live-Filmmusiken erklingen nacheinander an einem Abend. Erleben sie selbst, wie sehr die Musik die Wirkung eines Films beeinflussen kann.

Musik: UA | 21 Uhr | Richard Siedhoff (Klavier)

Musik: UA | 22 Uhr | Matthias Hirth (keys und electronics)

Trailer

© Absolut Medien GmbH

Sonntag, 18. Juli | 21 Uhr
Museumshof Open Air | Schlechtwetter: Emanuel-Goldberg-Saal

Das neue Babylon

Regie: Leonid Trauberg, Grigori Kosinzew | UdSSR | 1929 | 93 min

Vor dem Hintergrund der Niederschlagung der Pariser Kommune 1871 erzählt der Film die Geschichte von Louise und Jean, deren Liebe in Zeiten des offen ausgetragenen Klassenkampfes keine Chance hat.

Das neue Babylon lebt von seinem furiosen Tempo und der karikaturistischen Überzeichnung. In dicht komponierten Tab- leaus, die sich an den Bildern der französischen Impressionisten und den Romanen Zolas orientieren, wird in Leningrad das Pariser Leben inszeniert. Das Regie-Duo Kosinzew & Trauberg entwickelt eine einzigartige Filmästhetik mit einer radikalen Montage, deren experimenteller Charakter die glättenden Eingriffe der Zensur vergessen macht.

Musik: Søjus1 (Synthesizer und Schlagzeug)

In Kooperation mit:

Wir danken der Murnau-Stiftung, der Deutschen Kinemathek Berlin und der DEFA-Stiftung für die Unterstützung bei der Filmbeschaffung und für das Bildmaterial. Herzlichen Dank auch an Angela Klemm und Nadja Rademacher für die Unterstützung.

Besonderer Dank an die Dresdner Philharmonie, Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Dresden-Blasewitz und Kino im Kasten für die Zusammenarbeit.

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